Hier ein Bericht von Inge, unseres sehr engagierten Vereinsmitglieds vor Ort in Benin

Besuch im Centre de Nutrition de Ouassa-Tokpa am Samstag, den 9. Januar 2010

Für Dieudonné und seine Mama ist es ein Freudentag. Sie kann ihren Sohn gesund und rund aus dem Centre abholen. Gute Ratschläge und ein kleiner Vorrat an Nahrungsmitteln begleiten die beiden. Die junge Frau vom abgelegenen Dorf konnte ihr Baby nicht selbst stillen, hatte keine Muttermilch, und Milchpulver finden und kaufen , Fläschchen und der hygienische Umgang damit, das alles übersteigt ihre Möglichkeiten bei weitem. Zum Glück konnte dieses Baby rechtzeitig vom Centre aufgenommen und gerettet werden, bevor es, wie viele andere, ein Opfer der in den Dörfern Benins noch weit verbreiteten Armut geworden wäre.
Das Centre hat es sich zur Gewohnheit gemacht, auf einfache und effektvolle Weise über seine Arbeit Rechenschaft abzulegen. Die Kinder werden fotografiert, wenn sie kommen und wenn sie entlassen werden. Eine beachtliche Reihe von Alben wird stolz vor uns Besuchern des Centre ausgebreitet.

So finden sich dort auch die beiden Fotos von Bella, jetzt 3 Jahre alt. Ihre Mutter ist taubstumm, ihr Vater, einfacher Bauer, ebenfalls behindert. Und das bedeutet, dass die Familie sehr arm ist.

In solchen Fällen ist es wichtig, dass die Damen des Centre die Möglichkeit haben, ab und zu mal nach Bella und den anderen Kindern zu sehen, die sie vor dem Verhungern gerettet haben und die in ihre Familien zurückgekehrt sind. Sie müssen in entlegene Dörfer ohne Straßenanbindung fahren können, um sicher zu stellen, dass ihre Arbeit nicht umsonst war, dass ihre Ratschläge zur Ernährung der Kinder von den Müttern angenommen sind und die Kleinen sich weiter gut entwickeln. Auch können so weitere Babys rechtzeitig identifiziert werden, die den Weg ins Centre nicht gefunden haben. Dazu benötigen die Damen des Centre ein Moped, je eher desto besser, denn bald fängt die Regenzeit wieder an, und viele Dörfer in der Nähe des Lac Ahiémé werden wieder für Monate sehr schwer zugänglich sein.

Über den Hof schallt Babygeschrei. Die Zwillinge Odette und Odile werden gerade von einer der Helferinnen gewaschen. Eben haben wir ihr Foto gesehen, das bei ihrer Ankunft gemacht wurde und ihre Geschichte gehört. Ihre Mutter ist bei der Geburt verstorben, die Großmutter hat die Babys übernommen. Dann sind kurz darauf der Vater der Zwillinge und eine weitere Tochter der Großmutter gestorben, die emotional und finanziell völlig überfordert ist, sich weiter um ihre Enkel zu kümmern.
Die Damen des Centre fragen sich, wie es mit den beiden Mädchen nun weitergehen soll. Da die kaum vorhandenen sozialen Dienste Benins völlig überfordert sind, wollen sie versuchen, mit einem SOS-Kinderdorf in Kontakt zu treten. Das alles wird viel Zeit und Energie kosten.


Firmine, eine der Verantwortlichen des Centre, macht uns auf das Häufchen Elend auf dem Schoß einer weiteren Helferin aufmerksam. Es ist ein Junge, der gestern ins Centre gebracht wurde. Er soll etwa 1 Jahr alt sein, sieht aber schon aus wie sein eigener Großvater, faltige Haut, völlig abgemagert, sein rechtes Knie ist geschwollen. Angeblich hat die Mutter das Kind im Dorf zurückgelassen, und eines der kleinen Mädchen, die ihn herumgetragen haben, hatte den Jungen aus Versehen fallen lassen. Am Montag will Firmine mit ihm zu einem Arzt nach Comé fahren, am Wochenende gibt es keine medizinische Versorgung. Sie hofft, das Kind wieder aufpäppeln zu können, aber niemand weiß, welche Langzeitschäden bereits entstanden sind.
Auch hier macht sie noch einmal darauf aufmerksam, dass sie bei der Möglichkeit zum Besuch der umliegenden Dörfer vielleicht früher so dramatische Fälle entdecken und vorbeugend oder rechtzeitig helfen kann. Sie hat uns überzeugt, ein Moped ist nötig.

Wir bewundern das Engagement der Helferinnen, ihren unermüdlichen Einsatz. Und wir wissen jetzt, ein Blick in die Fotoalben ermutigt sie weiter zu machen, entschädigt für alle Mühen. Sie können stolz auf sich sein.

Inge Petersen
Benin
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